Sobald es um das grüne Gras geht, wird immer schnell so getan, als wäre das alles halb so wild. Ein bisschen chillen, bisschen lachen, bisschen Hunger, bisschen verpeilt – und fertig. So läuft jedenfalls oft die öffentliche Erzählung. Aber ganz ehrlich: Das ist nicht die ganze Wahrheit.
Ich kenne inzwischen wirklich einige Fälle im echten Leben, wo das Ganze komplett anders gelaufen ist. Und ich rede nicht von „hat mal schlecht drauf reagiert“ oder „war zwei Tage komisch“. Ich rede von richtigen Abstürzen. Wahnvorstellungen. Verfolgungsgefühle. Komplett neben der Spur. Angstzustände. Klinik. Teilweise sogar Zwangseinweisung.
Und genau deshalb frage ich mich: Warum liest man davon eigentlich fast nie etwas?
Warum steht sowas nicht öfter mal in der Zeitung? Warum wird so selten offen darüber gesprochen, was bei manchen Jugendlichen und jungen Erwachsenen wirklich passieren kann?
Ich habe das Gefühl, dass man diese Fälle am liebsten unter den Teppich kehrt. Entweder, weil es nicht in die lockere „ist doch nur Cannabis“-Erzählung passt oder weil keiner Bock hat, sich die Finger an dem Thema zu verbrennen.
Klar, nicht jeder, der mal kifft, landet in der Psychiatrie. Das behauptet auch keiner mit Verstand. Aber dieses ewige Runterspielen nervt mich gewaltig. Vor allem, wenn man im eigenen Umfeld sieht, dass es eben auch ganz anders laufen kann.
Und gerade bei Teenagern finde ich das Thema nochmal heftiger. Da ist im Kopf doch noch längst nicht alles fertig. Trotzdem wird oft so geredet, als wäre das Zeug für 15-, 16- oder 17-Jährige im Grunde nur eine etwas grünere Version von Alkohol. Ist es aber offensichtlich nicht.
Was ich auch krass finde: Wenn jemand an Alkohol komplett kaputtgeht, hört man dauernd Warnungen. Wenn jemand durch andere Drogen abstürzt, sowieso. Aber bei Cannabis wird oft herumgeeiert, als dürfte man bloß nichts Negatives sagen, weil man sonst direkt als ahnungsloser Panikmacher dasteht.
Dabei kenne ich, wie gesagt, nicht nur irgendeinen Fall aus dritter Hand, sondern mehrere. Und bei zwei guten Freundinnen haben die Kinder bzw. jungen Erwachsenen wirklich üble Erfahrungen gemacht. Das ist kein Internet-Gelaber, kein „ich hab mal gehört“, sondern bittere Realität. Wenn man dann noch liest oder hört, wie locker das Thema oft behandelt wird, fragt man sich irgendwann echt, in welcher Parallelwelt manche leben.
Vielleicht redet man nicht darüber, weil Familien sich schämen. Vielleicht auch, weil psychische Zusammenbrüche nicht so sauber und einfach zu erklären sind. Vielleicht, weil keiner öffentlich lesen will: „Der Sohn von XY ist nach zu viel Kiffen in der Klinik gelandet.“ Sowas wird eben eher versteckt als erzählt.
Aber genau das ist doch das Problem.
Wenn die schlimmen Fälle nie sichtbar werden, entsteht irgendwann das Bild, dass es sie kaum gibt. Und das halte ich für brandgefährlich. Denn dann wachsen Jugendliche mit der Vorstellung auf, das Ganze sei praktisch harmlos, höchstens mal bisschen unangenehm. Und wenn es dann doch knallt, ist das Geschrei groß.