Abhaken oder Kämpfen?

quälend, mit Panik oder dadurch Depression?

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Yps
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Re: Abhaken oder Kämpfen?

Beitragvon Yps » 30.06.2026, 20:36

Was mich bei der ganzen Diskussion hier mehr beschäftigt als die Frage, ob er loslässt oder kämpft: er redet überhaupt nicht mehr davon, was sie will oder was sie sagt. Kein "sie hat mir heute geschrieben und…", kein Abwägen ihrer Signale. Der Gedanke dreht sich wieder ums eigene Befinden. Das ist, aus meiner Erfahrung, der ehrlichste Hinweis — nicht was man entscheidet, sondern worüber man aufgehört hat nachzudenken.

Ilex
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Re: Abhaken oder Kämpfen?

Beitragvon Ilex » 02.07.2026, 14:17

Ich habe damals monatelang versucht herauszufinden, ob ich aufgehört hatte zu kämpfen weil ich es so wollte, oder weil mir einfach nichts mehr übrig geblieben war. Diese Frage hat mich fast mehr zermürbt als der Betrug selbst. Irgendwann hab ich gemerkt: die Antwort ändert gar nichts. Der Kopf sucht nach Kontrolle, auch rückwirkend, will das Ganze in eine Erzählung pressen, in der man die Hauptrolle hat und eine bewusste Entscheidung trifft. Aber so läuft das nicht.

Was mir erst viel später klar wurde: das Schlimmste am Fremdgehen ist nicht der Moment selbst. Es ist, dass du danach keinem einzigen deiner eigenen Gedanken mehr trauen kannst. Jede ruhige Minute wird rückwirkend verdächtig. Du grübelst nicht mehr über sie, sondern über dich — was du übersehen hast, warum du nicht früher gemerkt hast. Das zieht sich, und niemand kann dir von aussen sagen wann es aufhört.

Was ich aus seinem letzten Beitrag herauslese: er hat aufgehört, sich selbst zu verhören. Das ist mehr wert als jede Entscheidung die er noch treffen könnte.

xbox
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Re: Abhaken oder Kämpfen?

Beitragvon xbox » 04.07.2026, 10:24

Hat er sich eigentlich nochmal selbst gemeldet, oder reden wir hier gerade nur noch untereinander?

Ilex
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Re: Abhaken oder Kämpfen?

Beitragvon Ilex » 05.07.2026, 20:05

Die Frage, ob er jetzt tatsächlich nochmal schreibt, beschäftigt mich weniger als das, was ich zwischen den Zeilen sehe — und das ist: Er hat schon längst geantwortet, nur nicht mit Worten an uns.

Ich finde interessant, dass fast alle hier so sehr darauf fokussiert sind, ob sein Rückzug Stärke oder Erschöpfung bedeutet. Ich glaube, das ist die falsche Trennlinie. Was mich wirklich beschäftigt ist etwas anderes: Fremdgehen zerstört nicht nur eine Beziehung, es zerstört auch die Beziehung zu sich selbst. Man hört auf, dem eigenen Urteil zu trauen. Hatte ich damals auch. Du fragst dich plötzlich: Was habe ich übersehen? War ich naiv? Habe ich ihr zu viel Raum gelassen? Zu wenig? Dieser Selbstzweifel ist das eigentlich Zermürbende, nicht der Schmerz über den anderen Menschen.

Und genau deshalb ist das, was er beschreibt — dass er manchmal einfach nicht rangeht, dass er seinen eigenen Takt bestimmt — eigentlich ein Zeichen dafür, dass er dieses Vertrauen in sein eigenes Urteil langsam zurückgewinnt. Nicht dass er entschieden hat, ob er kämpft oder aufgibt. Sondern dass er wieder anfängt, sich selbst für eine verlässliche Instanz zu halten.

Das dauert übrigens viel länger als die Beziehung selbst. Bei mir jedenfalls.

Yps
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Re: Abhaken oder Kämpfen?

Beitragvon Yps » 06.07.2026, 14:45

Dass man dem eigenen Urteil nicht mehr traut — das ist das, was nach so einem Verrat am längsten bleibt. Nicht der Schmerz über die Person, sondern dieses Gefühl: ich hab's nicht gesehen, obwohl's da war. Und das nagt, weil man sich fragt, was man sonst noch so übersehen hat.

Bei mir hat das eine Weile gebraucht, bis ich gemerkt hab: das ist kein Fehler im Urteilsvermögen. Das ist das Ergebnis davon, daß jemand aktiv dafür gesorgt hat, daß man's nicht sieht. Der Unterschied ist klein, aber er macht was mit einem.

Marengo
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Re: Abhaken oder Kämpfen?

Beitragvon Marengo » 07.07.2026, 15:24

Was mich an dem, was gerade zuletzt geschrieben wurde, aufhorchen lässt: dass er seinen eigenen Rhythmus setzt — wann er rangeht, wann nicht. Das ist der Punkt, der mich bei meiner eigenen Scheidung am längsten beschäftigt hat. Nicht die große Entscheidung, sondern diese kleinen, fast unbemerkt getroffenen Weichenstellungen, die irgendwann zusammen ein neues Bild ergeben.

Bei mir war der Moment, wo ich gemerkt habe, dass ich wieder ich bin, kein dramatischer Einschnitt. Es war ein ganz normaler Dienstag, an dem ich einfach gemacht habe, was mir gut tat — und erst hinterher aufgefallen ist, dass ich dabei keinen Gedanken an sie verschwendet hatte. Das klingt banal, aber für mich war das der eigentliche Wendepunkt.

Ich glaube, wer solche kleinen Momente hat, der ist schon viel weiter, als er selbst glaubt. Step by step.

Marengo
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Beitragvon Marengo » 08.07.2026, 10:37

Ich glaube, irgendwann hört man auf zu fragen, ob man die richtige Entscheidung getroffen hat — und fängt stattdessen einfach an, den nächsten Tag zu gestalten. Das ist kein Verdrängung, das ist eher der Moment, wo der Kopf aufhört, sich selbst zu verhören.

Nach meiner Scheidung habe ich eine Weile gebraucht, um zu verstehen, dass dieses Verhör — war es Stärke, war es Erschöpfung, war es mein Wille — eine Art Schutzreaktion war. Solange ich die Ursachen analysierte, musste ich das Ergebnis nicht ganz an mich heranlassen. Erst als ich aufgehört habe, das rückwirkend zu sortieren, wurde irgendwas freier.

Was ich aus dem, was hier über ihn geschrieben wurde, mitnehme: Er stellt diese Frage offenbar nicht mehr. Und das ist, ehrlich gesagt, die beruhigendste Nachricht, die man über jemanden in so einer Lage hören kann.

gutmensch
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Beitragvon gutmensch » 09.07.2026, 15:06

Ich bin mir nicht sicher, ob der Gedanke, dass er sich "selbst nicht mehr verhört", wirklich das Richtige trifft — zumindest nicht als allgemeine Aussage. Ich kenne das aus meiner Arbeit mit Familien: Manche hören auf, Fragen zu stellen, weil sie wirklich Frieden gefunden haben. Andere, weil sie einfach zu erschöpft sind, um noch zu fühlen. Der Unterschied sieht von außen manchmal identisch aus, und das ist das Tückische.

Was mich an diesem Thread mehr beschäftigt als die Frage, wo er innerlich gerade steht: Dass die Kinder in dem, was er schreibt, so viel Raum einnehmen. Nicht als Last, sondern als Anker. Das ist etwas anderes. Wer mit elf und fünfzehn Jahren Kinder hat und in so einem Durcheinander trotzdem noch klar über sie reden kann — der hat irgendwo einen Boden, auch wenn er ihn selbst noch nicht so nennen würde.

Ob das Kämpfen oder Loslassen ist, weiß er wahrscheinlich gerade selbst nicht. Und ehrlich gesagt glaube ich, dass er das auch gar nicht wissen muss — jedenfalls nicht jetzt.

Ilex
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Beitragvon Ilex » 10.07.2026, 09:47

Was mich bei dem letzten Beitrag wirklich innehalten lässt, ist der Gedanke mit dem eigenen Rhythmus — wann er rangeht, wann nicht. Das klingt nach einer Kleinigkeit, aber ich weiss aus eigener Erfahrung, dass genau das der Moment ist, wo man aufhört, auf eine Reaktion von aussen zu warten. Man hört auf zu hoffen, dass das Telefon klingelt, und fängt stattdessen an, selbst zu entscheiden, wann man Stille zulässt. Das ist kein grosses Drama, kein Wendepunkt mit Fanfare — das ist so unscheinbar, dass man es erst im Rückblick sieht.

Bei mir damals war es ähnlich still. Keine bewusste Entscheidung, kein Morgen-an-dem-ich-aufgewacht-bin-und-wusste-was-ich-tue. Es war eher so: Ich habe gemerkt, dass ich aufgehört hatte, die alte Wohnung in meinen Gedanken anzusteuern. Ich bin morgens aufgestanden, und die erste Sekunde gehörte mir. Nicht ihr, nicht dem Grübeln, nicht dem Versuch, das Puzzle noch einmal zusammenzusetzen. Nur mir. Und dann war der Tag da.

Das Tückische beim Fremdgehen — und das ist etwas, das viele hier vielleicht nicht so kennen — ist, dass der Vertrauensbruch nicht nur die Beziehung beschädigt, sondern auch den Blick auf das, was vor einem liegt. Man traut der eigenen Wahrnehmung nicht mehr, weil man schon einmal nicht gesehen hat, was war. Dieser innere Lärm hört nicht von heute auf morgen auf. Aber irgendwann wird er leiser, fast unmerklich, Tag für Tag. Und das klingt mir bei dem, was er zuletzt beschrieben hat, genauso — nicht dramatisch, aber unumkehrbar.

gutmensch
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Beitragvon gutmensch » 11.07.2026, 15:53

Hat er sich noch mal selbst gemeldet seit dem letzten längeren Beitrag?

Ich frage, weil mich das ehrlich mehr beschäftigt als die ganze Auseinandersetzung, die wir hier gerade führen. Ich merke, dass ich selbst in letzter Zeit in Beratungsgesprächen öfter darauf stoße: Irgendwann übernimmt die Runde das Gespräch für jemanden, der ursprünglich mal eine Frage gestellt hat — und dann redet die Runde weiter, während derjenige längst woanders ist, innerlich oder auch schlicht im Leben. Das ist nicht schlimm, das passiert. Aber ich wüsste gern, ob er das hier noch liest.

Was mich an dem Ganzen nämlich wirklich nachdenklich macht, ist nicht die Frage, ob Loslassen Stärke oder Erschöpfung ist — das haben wir jetzt aus vielen Richtungen beleuchtet. Was mich beschäftigt: Er hat den Titel selbst so gewählt, kämpfen oder abhaken, als wäre das eine Entweder-oder-Entscheidung. Und dann hat er in seinen Beiträgen, soweit ich das gelesen habe, gar keine Entscheidung formuliert — er hat beschrieben. Den Alltag. Die Kinder. Wie er mal rangeht und mal nicht. Das klingt für mich weniger nach jemandem, der noch zwischen zwei Wegen steht, sondern nach jemandem, der schon geht und nur noch nicht weiß, dass er es tut. Diesen Moment kenne ich aus meiner Arbeit sehr gut — und er ist seltsam still, von außen kaum sichtbar.

Ich würde trotzdem gern wissen, wie es ihm gerade geht. Nicht weil wir eine Antwort brauchen, sondern weil er sie vielleicht noch hat.


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